Herausforderungen

Die Gesundheitssysteme Europas stehen vor großen Herausforderungen.

WENIGER ÄRZTE: Gerade in unserer ländlichen Heimat wird es stets schwieriger, neue Ärzte an die Region zu binden. Viele junge Mediziner sehnen sich nach einer Karriere in der Großstadt und sind nicht bereit, die Verantwortung für eine Praxis auf dem Land zu übernehmen. Insbesondere zu Fachärzten müssen Patienten daher oft lange Wege auf sich nehmen, die gerade älteren Menschen nicht zumutbar sind.

MEHR PATIENTEN: Die Menschen in unserem Land werden immer älter. Dies ist eine äußerst erfreuliche Nachricht, da wir ein immer längeres und gesünderes Leben führen können. Für unsere Gesundheitsversorgung bedeuten mehr ältere Menschen jedoch auch mehr Personen, die langfristig auf medizinische Versorgung angewiesen sind. Die Zahl der Patienten nimmt stetig zu.

WENIGER GELD: Gleichzeitig muss in vielen Ländern durch die Wirtschaftskrise gespart werden. Dies betrifft natürlich auch unsere Gesundheitssysteme.

Wir stehen somit vor der Herausforderung, mit stets weniger Ärzten und einem sinkenden Gesundheitsbudget stets mehr Patienten versorgen zu müssen.

 

038 Jens Gieseke by AlexanderLouvetInnovationen: eHealth & mHealth

Diesen Herausforderungen müssen wir mit Europäischen Lösungen begegnen. Natürlich ist das Gesundheitswesen immer Sache der Mitgliedsstaaten. Ich glaube jedoch, dass eine Kooperation in einigen Bereichen einen deutlichen Mehrwert für alle europäischen Bürger bietet.

Digitale Revolution

Viele Bereiche unseres Lebens sind bereits durch digitale Innovationen erleichtert worden. Wir können zum Beispiel unsere Steuererklärung online einreichen. Wir können mit unserem Smartphone die Speisekarte übersetzen, wenn wir im Urlaub sind. Wir können im Internet unsere Schuhe bestellen.

Der Gesundheitbereich liegt in der digitalen Revolution jedoch weit zurück. Dabei bieten elektronische oder mobile Gesundheitslösungen (eHealth & mHealth) enormes Potential; Ärzte können Patientendaten per Ferndiagnose auswerten und Gesundheitsempfehlungen aussprechen. Röntgenbilder müssten nicht mehrper Post verschickt werden, sondern können elektronisch versandt werden. Mit Apps lassen sich Herzschlag, tägliche Bewegung und viele weitere Gesundheitsparameter genau messen, so dass individuelle Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Daten nutzen & schützen

Durch elektronische Gesundheitslösungen haben wir die Möglichkeit, Krankheiten endlich besser zu erforschen und zu bekämpfen. Gerade elektronische Gesundheitslösungen können eine Vielzahl von Daten zusammenführen und analysieren, was mit herkömmlichen Gesundheitsakten niemals möglich war. Dabei müssen wir jedoch klare Richtlinien für den Datenschutz der sensiblen Patientendaten aufstellen und diese vor unberechtigtem Zugriff schützen.

Interoperabilität steigern

In Europa müssen wir sicherstellen, dass die einzelnen elektronischen Gesundheitslösungen die gleiche Sprache sprechen. Wenn man beispielsweise im Urlaub in ein Krankenhaus in Spanien muss, wäre es hilfreich, wenn der dortige Arzt auf die gleichen Daten zugreifen kann, wie in Deutschland. Deshalb ist es wichtig, dass die Kompatibilität der verschiedenen Datenerfassungssysteme in Europa ausgebaut wird.

Bewährte Praktiken austauschen

Einige Mitgliedsstaaten sind im Bereich elektronischer Gesundheitslösungen bereits sehr erfolgreich. Hier gilt es voneinander zu lernen und bewährte Praktiken auszutauschen, denn durch verstärkte Kooperation können wertvolle Steuergelder eingespart werden.